Wir bitten um eure Unterstützung und Mithilfe, um den 360.000 Kindern von Fukushima das Leben zu retten und sie zu betreuen.
Spendenaktionskomitee für die Fukushima-Klinik , 1. Dezember 2011
Mindestens 15.000 Terabecquerel (TBq) an Cäsium 137 traten aus dem Atomkraftwerk Fukushima aus – das ist vergleichbar mit 168 Hiroshima-Bomben; die Katastrophe in Fukushima ist bei weitem gefährlicher als die von Tschernobyl.
Rund 120.000 Bewohner Fukushimas wurden gezwungen, ihre Häuser innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Evakuierungszone zu verlassen. Die 60.000 Personen wiederum, die sich freiwillig in Sicherheit brachten, mussten nicht nur ihr Zuhause verlassen, sondern haben auch ihren Lebensunterhalt verloren. Schlimmer noch: ungefähr 75% von Fukushimas 360.000 Kindern müssen nach wie vor Schulen besuchen, die höhere Strahlungswerte aufweisen als die Werte in den Strahlungsmessgebieten (d.h. mehr als 0.6μSv/h). Im Urin von Kindern, die aus dem Gebiet rund um Fukushima Daiichi evakuiert worden waren, werden mittlerweile Cäsium 134 und 137 nachgewiesen.
Die Strahlenbelastung ist besonders für Kinder gefährlich, vor allem dann, wenn inkorporierte radioaktive Substanzen direkt im Körperinneren wirken. Wir müssen daher alle Kinder so bald wie möglich aus den verstrahlten Gebieten evakuieren.
Doch die japanische Regierung missachtet das Recht der Bewohner Fukushimas auf Evakuierung und sie lehnt es ab, Schadenersatz zu zahlen. Die meisten Arbeiter befürchten eine Verstrahlung ihrer Kinder. Aber ihre soziale und ökonomische Lage erlaubt es nicht, Fukushima zu verlassen. Niemand glaubt den Worten des von der Regierung bezahlten Experten Shunichi Yamashita, Vizepräsident der medizinischen Universität Fukushima, der meint: „Es gibt keine gesundheitlichen Auswirkungen für alle solange der Strahlungspegel unter 100mSv/y bleibt. … die Effekte der inkorporierten radioaktiven Substanzen auf die menschliche Gesundheit sind zu klein und verursachen keine Schäden.“
Fukushimas Mütter protestierten daher vor dem Bildungsministerium in Tokio, gefolgt von einer Sit-in Kampagne vor dem Wirtschaftsministerium. Wir kämpfen mit ihnen – um das Leben und die Zukunft unserer Kinder zu retten und schützen. Unsere empörten und alarmierten Stimmen hatten ja bereits am 19. September zur Anti-Atom-Kundgebung im Meiji Park in Tokio mit 60.000 Teilnehmern geführt; und unsere Stimmen werden weltweit verbreitet. Kämpfen wir gemeinsam für eine starke Bewegung um das Leben der Kinder aus Fukushima zu retten. Vor allem benötigen wir dazu eine Klinik – als Grundstein für Gesundheit und Solidarität der Menschen von Fukushima.
Die Kinder sind dort jeden Tag Strahlungen ausgesetzt und müssen seit fast zehn Monaten in einer extrem kritischen und aufreibenden Situation leben. Hinzu kommen die Ängste und Sorgen aller Mütter Fukushimas, erstere werden durch Maßnahmen wie Dekontaminierung auch nicht weniger werden. Wir haben kein Vertrauen in medizinische Einrichtungen, die unsere Kinder wie menschliche Versuchskaninchen behandeln. Für die Menschen in Fukushima wäre es daher wirklich ermutigend, wenn es bei uns eine nahegelegene zuverlässige Klinik gäbe, die wir aufsuchen könnten, wenn wir eine ernsthafte Frage über unsere Gesundheit stellen wollen: „Ist das eine Auswirkung der Strahlung oder nicht?“
Über die Kinder Tschernobyls wird berichtet, dass sie an den unterschiedlichsten, durch Strahlenbelastung ausgelöste Krankheiten leiden, darunter die Vergrößerung der Schilddrüsenknoten, Hormonanomalien, Anämie, Kopfschmerzen, Beeinträchtigung von Herz- und Lungenfunktion, Immunschwäche, beschleunigtes Altern und verschiedene Krebserkrankungen.
Wir sollten die Priorität daher auf gute medizinische Vorsorge setzen. Dafür bedarf es jedoch eines übergreifenden Ansatzes jenseits des Konzepts der modernen Medizin. Wir wollen eine Klinik gründen die nicht nur eine medizinische Anstalt ist, sondern ein umfassendes Gesundheitszentrum mit einer Alternativmedizin, die sich die natürlichen Heilungskräfte der menschlichen Natur nutzbar macht. Das heißt, für uns ist die „Revolution des Alltags“ ein wesentlicher Bestandteil unserer Klinik, sei es um Anregungen für Speisen zu geben, die vor Radioaktivität schützen, sei es, um unsere Lebensweise zu hinterfragen.
Es ist keine leichte Aufgabe, eine solche medizinische Betreuungseinrichtung aufzubauen. Aber mit gemeinsamer Anstrengung mithilfe unserer Freunde weltweit werden wir unser ehrgeiziges Vorhaben sicherlich schaffen.
Tatsächlich haben auch die A-Bombenopfer von Hiroshima und Nagasaki mutige Handlungen gesetzt und ihre Stimme erhoben: „Gebt mir die Menschen zurück!1“, um ihr Leben zu bewahren und die medizinische Versorgung unter ihre Kontrolle zu bringen.
Die Klinik Koyo Daiichi in Hiroshima City ist ein Ergebnis davon Sie entstand, als im Jahr 1970 der Reihe nach 20-jährige Frauen und Männer – die zweite Generation der A-Bomben Opfer – an Leukämie erkrankten. Und obwohl sie zutiefst bestürzt waren über ihre Krankheit, gründeten sie eine Bewegung, um ein selbstverwaltetes Spital aufzubauen. 1972 war es soweit: das zweistöckige Fertigteilhaus, das die Koyo Daiichi Clinic beherbergt, wurde errichtet.
Für den kürzlich verstorbenen Nobuko Konishi, Mitglied des japanischen Verbands der Organisationen von A- und H-Bombenopfern, die gemeinsam die Bewegung trugen war die Koyo Daiichi Klinik das „Fenster zur Seele der A-Bombenopfer“. Und der Schriftsteller Kenzaburo Oe, Unterstützer dieser Bewegung, schrieb damals in der Zeitung: „ [In dieser Klinik] gab es offenbar eine Vermischung von Praxis, Lehre und festem Willen zu überleben“. Die Koyo Daiichi Klinik ist seither der Eckpfeiler der zweiten Hiroshima-Generation, 40 Jahre zu überleben.
Damit die Opfer von Fukushima ebenfalls durchhalten, ist auch dort dringend eine eigene medizinische Versorgungeinrichtung nötig. Wir bitten daher alle Menschen einschließlich Ärzte und medizinischer Arbeitskräfte aufrichtig, sich mit uns zusammenzuschließen, um dieses Projekt zu verwirklichen!
Kinder erschaffen die Zukunft. Kinder dürfen nicht in Sorge um Strahlenbelastungen leben. Wir wünschen uns wirklich eine zuverlässige Klinik, in der wir uns angstfrei und mit den Ärzten, die wir wollen, treffen können. Dies ist ein Kampf, unser Leben durch Einheit und Solidarität von uns allen zu verteidigen und die medizinische Versorgung zurück in unsere Hände zu bekommen. Und es ist eine Bewegung für das Ende aller Atomkraftwerke und für eine Gesellschaft ohne jede Nutzung atomarer Mittel.
Wir rufen alle unsere Freunde weltweit auf, uns zu unterstützen und mit uns daran zu arbeiten, eine Klinik aufzubauen, die Leben rettet und die sich um die Gesundheit der 360.000 Kinder aus Fukushima kümmert.
Danke.
Erstunterzeichner:
Aus Fukushima
- Kazuhiko SEINO, Ex-Präsident der „Fukushima Prefecture Teachers’ Union“
- Sachiko SATO, Vorsitzender einer NGO
- Chieko SHIINA, „Gestation Period Action of Women’s Tent Village to Bring Future into the World“
- Koichi HASHIMOTO, Generalsekretär der Kokuro (National Railway Workers’ Union) in Koriyama Plant Branch
- Junko ICHIKAWA, Präsident der „Fukushima Joint Labor Union“
- Nobuo SASAKI, Professor Emeritus am „Sakuranoseibo Junior College“
- Koichiro SUZUKI, Milchbauer, Fukushima Netzwerk “Yui”
- Kaoru WATANABE, Leiter der „Fukushima Coordinating Center of Labor Unions“
Ärzte
- Ryojun YOSHIDA, Direktor der Hiroshima Koyo Daiichi Clinic [Klinik für Überlebende der Atombombe]
- Yoshihiko SUGII, Direktor der Motomachi Clinic
- Hiroto MATSUE, Direktor des Cancer Advisory Center Tetsuro
- YOSHIMOTO, Direktor der Kumade-cho Clinic
- Michimasa SUEMITSU, Direktor des Yaokita Medical Center / Yao City Stadtrat
- Yukihiko FUSE, Arzt im Tatebayashi Welfare Hospita

